N03_8631

Heute erzähle ich mal ein bisschen was über ND Filter. Jeder der sich mit der Fotografie beschäftigt, hat vllt auch schonmal den Begriff “ND Filter” gehört…aber was ist ein ND Filter? Was macht er? Wie verwendet man ihn? Was bedeutet ND?
Und genau das erkläre ich in diesem Beitrag! :)

Jedes Objektiv für Spiegelreflexkameras hat vorne ein Gewinde…und auf dieses Gewinde lassen sich die verschiedensten Filter für die verschiedensten Aufgaben schrauben. Und einer der mit am häufigsten verwendeten Filter, ist der ND Filter.

Aber was heißt denn nun “ND”?

ND ist die Abkürzung für “Neutral Density”. Man spricht auch von einem Neutraldichte-Filter, Neutralfilter oder auch Graufilter.

Und was bringt der Filter?

Ganz einfach…dieser Filter blockt zu einem gewissen Teil das einfallende Licht ohne die Farben (großartig) zu verfälschen. Man kann sich diesen Filter also wie eine aufschraubbare Sonnenbrille für die Kamera vorstellen.

N03_8625 N03_8626

Wann benutze ich diesen Filter?

Einen ND Filter nutzt man für verschiedene Gelegenheiten. Möchte man z.B. eine Person im hellen Sonnenlicht mit großer Blende (z.B. f/1,4 oder f/1,8) fotografieren, muss man natürlich eine kürzere Verschlusszeit einstellen, da das Bild durch die große Blendenöffnung sonst überbelichtet wird.
Die meisten Anfänger und Consumer Kameras können allerdings nur bis zu 1/4000s auslösen (zumindest im Nikon Lager) was u.U. immer noch zu wenig sein könnte wenn es besonders hell ist. Also schaut man dann nach der ISO Einstellung und dreht diese runter, damit die Empfindlichkeit des Sensor sinkt und das Bild somit dunkler wird. Allerdings ist in den meisten Fällen bei ISO100 schon Schluss.
Und wenn die Belichtung immer noch zu hoch ist, kommt der ND Filter zum Einsatz. Der ND Filter blockt also eine gewisse Menge Licht (je nachdem wie stark der Filter ist) und ermöglicht nun ein korrekt belichtetes Bild.
Hier wird die Wirkung sichtbar

N03_8631 N03_8635 N03_8634

Ein anderer Anwendungsbereich, ist die Langzeitbelichtung. Jeder kennt diese Situation…man ist an einem schönen Ort, möchte ein prächtiges Gebäude fotografieren…und dann laufen da haufenweise Leute rum…!! Man kann natürlich nicht hingehen und alle verscheuchen oder grad mal so das ganze Gebiet für sich absperren (esseidenn man hat Geld ^^).
Man geht also hin und macht eine Langzeitbelichtung.
Denn die Menschen die durchs Bild laufen, sind immer nur für einen kurzen Moment an Position X. Wenn wir also jetzt z.B. ein Bild 30s lang belichten, ist eine Person nur für einen Sekundenbruchteil an einer Position, was im Verhältnis zu den 30 Sekunden, garnix ist…die durchs Bild laufende Person wird “unsichtbar”. Allerdings lassen sich tagsüber schlecht Langzeitbelichtungen machen, denn es ist viel zu hell dafür.
Und jetzt kommt wieder unser ND Filter zum Einsatz (diesmal aber ein etwas stärkerer) der eine längere Belichtung ermöglicht.
Ebenso lassen sich damit auch sehr schöne Effekte erzeugen…z.B. kann man fließendes Wasser seidig aussehen lassen! Hab leider kein eigenes Beispielbild, deshalb hier ein Foto von Benjamin Jaworskyj welches er ebenfalls mit einem ND Filter aufgenommen hat:

10259246_889063447785960_804734014188393633_o

Der Kreativität sind mit so einem schönen ND Filter also keine Grenzen gesetzt!

Gibt es verschiedene Filter?

Ja, es gibt verschiedene Filter. Undzwar in verschiedenen Größen, Stärken und Preisklassen. Schaut also vor dem Kauf eines solchen Filters welchen Filterdurchmesser euer Objektiv braucht, das steht immer auf dem Originalkarton, im Internet und manchmal sogar auf dem Objektiv selbst. Dann müsst ihr euch entscheiden wie stark der Filter sein soll, was davon abhängt für was ihr ihn nutzen wollt.
Die Filterstärken haben dabei verschiedene Einheiten die leider von Hersteller zu Hersteller meist etwas unterschiedlich sind. Manche gehen über die Dichte, andere wieder über den Filterfaktor, usw…
Hier sieht man eine kleine Tabelle mit verschiedenen Stärken und den Blendenstufen:

Bildschirmfoto vom 2014-05-26 20:59:57

In dieser Tabelle sieht man neben der Dichte, bzw dem Filterfaktor, verschiedene Blendenstufen…d.h. also dass wenn ein ND Filter mit Filterfaktor 8 benutzt wird (wie ich ihn habe), wir 3 Blendenstufen sparen. Das bedeutet, dass wenn für eine korrekte Belichtung ohne ND Filter, Blende 8 erforderlich wäre, wir nun Blende 2,8 dank Filter nutzen können. Denn zwischen f/2,8 und f/8 liegen 3 Blendenstufen (f/2,8, f/4, f/5,6, f/8).
Außerdem gibt es noch variable Filter, die man in der Stärke verstellen kann…ich rate aber von solchen Filtern ab, da die optische Qualität nicht grade überwältigend ist…aber so ist es praktisch immer…Gegenstände die universell einsetzbar sind, sind i.d.R immer schlechter als die Gegenstände, die speziell für etwas gemacht und entworfen sind.

Es gibt aber auch eine andere Art von ND Filtern…undzwar welche, die man nicht aufschraubt, sondern in eine Halterung vor das Objektiv schiebt. So ein Filter ist z.B. der Big Stopper von “Lee Filters”.
Man schraubt den Filter nicht direkt aufs Objektiv, sondern eine Halterung in die man eine große ND Platte schiebt. Ein großer Vorteil dieser Methode ist, dass man nicht für jedes Objektiv neue Filter kaufen muss, wenn die eigenen Objektive unterschiedlich große Filtergewinde haben.
Lediglich passende Adapterringe müssen gekauft werden, die allerdings günstig zu kriegen sind. Also lieber ein paar Euros für verschiedene Adapterringe ausgeben als die gesamte Filterkollektion für jedes Objektiv neu kaufen :)
Allerdings kostet der Big Stopper auch über 100€…dieser Filter ist also eher für die ambitionierten Langzeitbelichter gedacht, die wirklich häufig hochqualitative Langzeitbelichtungen mit verschiedenen Objektiven machen wollen. Ich empfehle aber für Anfänger trotzdem einen normalen ND Filter zum Aufschrauben, da diese einfach leichter in der Handhabung und auch robuster sind.

91obCyv5I1L._SL1500_

Wie benutze ich einen ND Filter und wie stark muss er sein?

Das ist ganz leicht…man schraubt den Filter vorne auf die Kamera und das wars auch fast schon. Man muss nur beachten, dass wenn man einen sehr starken Filter hat, die Kamera dann evtl Probleme mit der Fokusierung hat, weil zu wenig Licht auf den Autofokussensor fällt. In dem Fall muss die Fokusierung erst ohne Filter erfolgen.
Die Kamera wird auf ein Stativ geschraubt, der Fokuspunkt wird aufs Motiv gelegt, der Auslöser halb durchgedrückt für den Autofokus und dann lässt man nach dem Scharfstellen den Auslöser wieder los. Danach schaltet man vom Autofokus in den manuellen Fokus, schraubt den Filter wieder auf und löst dann aus.
Ein weiterer Punkt den man beachten muss, ist die Verschlusszeit. Falls man einen schwachen Filter nutzt und die Belichtungszeiten somit noch im Rahmen sind, kann man bedenkenlos aus der Hand fotografieren. Wenn man aber einen sehr starken und dunklen Filter nutzt und somit die Verschlusszeit sehr lang wird und evtl sogar in den Bereich von ganzen Sekunden oder Minuten geht, ist ein Stativ und ein Fernauslöser natürlich Pflicht.
Wie stark der Filter sein muss, hängt vom geplanten Einsatzzweck ab. Man kann sich das ganz leicht selber ausrechnen.

Nehmen wir an, ihr wollt eine LZB an einem Fluss machen und das Wasser seidig aussehen lassen. Es ist sehr hell. Ihr wählt zuerst eure gewünschte Blende. Wollt ihr eine geringe Schärfentiefe um z.B. bestimmte Details scharf abzubilden und den Hintergrund eher in der Unschärfe versinken zu lassen, im sogenannten Bokeh, dann ist eine recht offene Blende von nöten (man merke: offene Blende = kleine Blendenzahl & wenig Schärfentiefe, geschlossene Blende = große Blendenzahl & viel Schärfentiefe), soll das Bild aber größtenteils scharf sein, dann ist eine eher geschlossene Blende erforderlich.
Als nächstes stellt ihr ISO und Verschlusszeit so ein, dass die Belichtung korrekt ist. Und nun werden die Taschenrechner gezückt 😀
Um die passende Stärke des zu verwendenden Filters auszurechnen, gibt’s eine kleine simple Rechnung… Man rechnet:

ND Faktor Rechnung

D.h. also…wenn ihr gerne eine Belichtungszeit von beispielsweise 2 Sekunden möchtet und ohne Filter beispielsweise eine Verschlusszeit von 1/500s für eine korrekte Belichtung nötig ist, rechnet man:

Beispielrechnung ND Faktor

Durch diese kleine Rechnung kann man sich also so ungefähr ausrechnen welchen Filter man verwenden muss, bzw wie stark er sein muss. Die stärksten normalen Schraubfilter (in bezahlbarer Preisklasse) haben einen ND Faktor von ND1000. Wenn bei euch aber als Ergebnis ein höherer Wert als ND1000 raus kommt, ist das natürlich auch kein Problem…in dem Fall lassen sich mehrere Filter aufeinander schrauben.
Deren Wirkung addiert sich somit zusammen und ihr könnt länger belichten. ALLERDINGS kann es dann zu Qualitätsverlusten und Farbstichen kommen. Logischer Weise sollte man den ISO Wert möglichst niedrig halten um Rauschen zu vermeiden und um keine allzu starken Filter nutzen zu müssen. Das wäre ja unsinnig bei ISO 1000 eine Langzeitbelichtung zu machen und mehrere Filter aufeinander zu schrauben weil einer evtl nicht ausreicht…also ISO runter und alles wird gut 😉
Ich empfehle sowieso ein kleines Set an ND Filtern mit verschiedenen Stärken zu kaufen, denn man braucht beim Fotografieren mal einen stärkeren, mal einen schwächeren Filter. Somit ist man bestens für verschiedene Lichtbedingungen gewappnet und kann schwächere Filter nehmen wenn’s zu dunkel wird oder die Filter zusammenschrauben wenn’s zu hell ist.

Abschließende Worte

So, ich hoffe ich konnte euch den ND Filter ein wenig näher bringen und erklären. Das hier sind so die Basics die man so wissen sollte wenn man einen solchen Filter benutzten möchte. Natürlich könnte ich jetzt hier noch anfangen zu erklären wie der Filter denn den Lichteinfall reduziert und wieso weshalb warum, aber das würde den Rahmen sprengen…dieser Artikel richtet sich eher an die Anfänger, somit ist eine weiß der Geier wie wissenschaftliche Analyse des Filters nicht nötig.
Falls ihr noch Fragen habt, dann fragt ruhig. Schreibt eure Fragen einfach in die Kommentare oder besucht meine Facebook Seite mk-Photoart – Facebook und fragt dort nach :) Demnächst folgen noch weitere Artikel für Anfänger sowie für Fortgeschrittene…also…stay tuned, like and share 😉

Beste Grüße, Martin König

Bemerkung: Das verwendete Bild von Benjamin Jaworskyj ist nicht mein Eigentum. Es ist sein Werk und das Urheberrecht liegt ganz und allein bei ihm. Das Produktfoto des Big Stoppers ist ebenfalls nicht mein Werk und stammt aus Amazon: http://www.amazon.de/Lee-Filters-Stopper-ND-Filter-Glas/dp/B00E4FNHFC/. Alle anderen in diesem Artikel befindlichen Bilder und Grafiken wurden eigenhändig erstellt.

3 Comments. Leave your Comment right now:

  1. klasse erklärt!
    SO wünsche ich mir die Anleitung für “Dodge & Burn” oder das “Freistellen von Haaren”
    ausführlich! verständlich! nachvollziehbar!

    • by Martin König

      Danke, freut mich dass es dir gefällt :)
      Ja, ein ausführliches Dodge & Burn oder Freistell-Tutorial wäre gut…ich glaub das mach ich die Tage mal wenn ich Zeit finde

  2. by Martin König

    Danke, freut mich dass es dir gefällt :)
    Ja, ein ausführliches Dodge & Burn oder Freistell-Tutorial wäre gut…ich glaub das mach ich die Tage mal wenn ich Zeit finde

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Sie können diese HTML-Tags und Attribute verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>